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Mallorca Atlas Ort für Ort

Die Feste Mallorcas im Jahreslauf

Zwei mit Fell bespannte Boote voller kostümierter Teilnehmer mit Rundschilden und Krummsäbeln in der Bucht von Port de Sóller beim Fest Es Firó.
Es Firó in Sóller, zweites Maiwochenende: Die Boote laufen in die Bucht ein, so wie es die Korsaren am 11. Mai 1561 taten. Was dann folgt, ist kein Schauspiel für Gäste, sondern die Sache des ganzen Ortes — und einer der stärksten Festtermine der Insel.

Der mallorquinische Festkalender hat eine Eigenschaft, die selten jemand ausspricht: seine stärksten Termine liegen im Winter. Sant Antoni im Januar, Sant Sebastià zwei Tage später, der Carnaval im Februar, die Karwoche im Frühjahr — vier der fünf eindrucksvollsten Tage des Jahres liegen außerhalb der Reisesaison.

Das ist kein Zufall. Diese Feste sind nicht für Besucher entstanden und werden nicht für sie gemacht. Sie liegen dort, wo das bäuerliche Jahr Luft hatte: nach der Ernte, vor der Aussaat, in den Wochen, in denen auf dem Feld nichts zu tun war. Wer sie erleben will, muss antizyklisch reisen — und bekommt dafür eine Insel, die mit sich selbst beschäftigt ist statt mit ihm.

Aufgenommen ist hier nur, was jedes Jahr wiederkehrt. Kein Konzertprogramm, keine einmaligen Veranstaltungen. Deshalb stehen hier auch keine Jahreszahlen, sondern Regeln: „16. und 17. Januar" oder „Montag nach dem zweiten Sonntag im Mai".

Dafür lohnt sich die Reise

Sant Antoni 16. und 17. Januar · Sa Pobla

Das eigenwilligste Fest der Insel. Am Abend des 16. brennen Feuer auf den Plätzen, es wird gegrillt und gesungen, und als Dimonis verkleidete Gestalten treiben durch die Gassen. Kein Touristenprogramm — an diesem Abend gehört der Ort seinen Bewohnern.

Sant Sebastià 19. und 20. Januar · Palma

Palmas Stadtpatron. In der Nacht zum 20. brennen auf einem Dutzend Plätzen Feuer, überall wird gegrillt, auf mehreren Bühnen wird gespielt. Die größte Straßenparty des mallorquinischen Jahres.

Setmana Santa Karwoche, März oder April · Palma

Prozessionen in fast jedem Ort. Das eindrucksvollste ist der Davallament in Pollença am Karfreitagabend: die Kreuzabnahme wird oben auf dem Calvari gespielt, danach trägt der Zug schweigend die 365 Stufen hinunter, nur mit Fackeln.

Es Firó Montag nach dem zweiten Sonntag im Mai · Sóller

Nachstellung des Piratenangriffs von 1561. Am Vortag die Fira, dann landen die „Mauren" im Hafen, und die Schlacht zieht sich mit Schwarzpulver und viel Lärm durch den ganzen Ort bis zur Plaça. Eines der wenigen Feste, bei denen praktisch der gesamte Ort mitspielt.

La Patrona — Moros i Cristians 2. August · Pollença

Erinnerung an den Überfall des Korsaren Dragut 1550. Vormittags die Schlacht durch den ganzen Ort, mit einer Härte, die Besucher regelmäßig überrascht. Der einzige Grund, im August freiwillig nach Pollença zu fahren.

La Beata Erster Sonntag im September · Santa Margalida

Morgens wecken die Dimonis mit Glocken den Ort, abends zieht die Prozession für Catalina Thomàs. Bauern tragen Krüge, die Teufel versuchen sie ihnen zu entreißen und zerschlagen sie zu Füßen der Heiligen. Verstörend und großartig.

Dijous Bo Mitte November, traditionell der dritte Donnerstag · Inca

Die größte Messe der Insel, seit dem 14. Jahrhundert belegt, mit über 200.000 Besuchern. Vieh, Maschinen, Handwerk, Essen — und der Abschluss der Herbstmessen. Der Zug ab Palma ist an diesem Tag die einzige vernünftige Anreise.

Vollständig nach Monat

Der Kalender

Januar

Cavalcada dels Reis 5. Januar, abends

Palma · praktisch jeder Ort

Die Heiligen Drei Könige kommen in Palma per Schiff im Hafen an und ziehen dann durch die Stadt. In den Dörfern kleiner, aber genauso ernst genommen — hier werden die Geschenke gebracht, nicht an Weihnachten.

Sant Antoni 16. und 17. Januar

Sa Pobla · Artà · Manacor · Muro · Pollença

Das eigenwilligste Fest der Insel. Am Abend des 16. brennen Feuer auf den Plätzen, es wird gegrillt und gesungen, und als Dimonis verkleidete Gestalten treiben durch die Gassen. Kein Touristenprogramm — an diesem Abend gehört der Ort seinen Bewohnern.

Sant Sebastià 19. und 20. Januar

Palma

Palmas Stadtpatron. In der Nacht zum 20. brennen auf einem Dutzend Plätzen Feuer, überall wird gegrillt, auf mehreren Bühnen wird gespielt. Die größte Straßenparty des mallorquinischen Jahres.

Februar

Carnaval — Sa Rua Wochenende vor Aschermittwoch, Februar oder März

Palma · viele Orte

Umzug mit Wagen und Kostümen, in Palma am Samstag, tags zuvor die Sa Rueta für Kinder. In den Dörfern jeweils am eigenen Termin.

März

Setmana Santa Karwoche, März oder April

Palma · Pollença · Sineu · überall

Prozessionen in fast jedem Ort. Das eindrucksvollste ist der Davallament in Pollença am Karfreitagabend: die Kreuzabnahme wird oben auf dem Calvari gespielt, danach trägt der Zug schweigend die 365 Stufen hinunter, nur mit Fackeln.

Mai

Es Firó Montag nach dem zweiten Sonntag im Mai

Sóller · Port de Sóller

Nachstellung des Piratenangriffs von 1561. Am Vortag die Fira, dann landen die „Mauren" im Hafen, und die Schlacht zieht sich mit Schwarzpulver und viel Lärm durch den ganzen Ort bis zur Plaça. Eines der wenigen Feste, bei denen praktisch der gesamte Ort mitspielt.

Juni

Sant Joan Nacht vom 23. auf den 24. Juni

Palma · Muro · Küstenorte

Die kürzeste Nacht. Feuer an den Stränden, Sprünge über die Glut, in Palma Zehntausende an der Playa. In Muro tanzt der Sant Joan Pelós, eine Figur im Fell.

Sant Pere 28. und 29. Juni

Colònia de Sant Pere · Port d'Alcúdia · Port de Pollença · Hafenorte

Der Schutzheilige der Fischer. Seine Figur wird auf ein geschmücktes Boot gesetzt und in einer Prozession über das Wasser gefahren, begleitet von allem, was im Hafen schwimmt.

Juli

Mare de Déu del Carme 16. Juli

alle Fischerorte

Dieselbe Idee wie bei Sant Pere, aber inselweit und größer: die Schutzpatronin der Seeleute wird über das Wasser getragen. In kleineren Häfen die stimmungsvollere Variante.

August

La Patrona — Moros i Cristians 2. August

Pollença

Erinnerung an den Überfall des Korsaren Dragut 1550. Vormittags die Schlacht durch den ganzen Ort, mit einer Härte, die Besucher regelmäßig überrascht. Der einzige Grund, im August freiwillig nach Pollença zu fahren.

Sant Bartomeu und die Cossiers 24. August

Montuïri

Die Cossiers von Montuïri tanzen einen Reigen, dessen Ursprung niemand genau kennt — er ist älter als die Schriftquellen. Sechs Tänzer und ein Dimoni, sonst nichts. Wer volkskundlich interessiert ist, fährt dafür.

September

La Beata Erster Sonntag im September

Santa Margalida

Morgens wecken die Dimonis mit Glocken den Ort, abends zieht die Prozession für Catalina Thomàs. Bauern tragen Krüge, die Teufel versuchen sie ihnen zu entreißen und zerschlagen sie zu Füßen der Heiligen. Verstörend und großartig.

Festa des Vermar Zweite Septemberhälfte

Binissalem

Weinlesefest über fast drei Wochen, mit Traubenschlacht und einem Essen aus Fideus de vermar auf der Straße. Der Ort lebt vom Wein, und man merkt es.

November

Dijous Bo Mitte November, traditionell der dritte Donnerstag

Inca

Die größte Messe der Insel, seit dem 14. Jahrhundert belegt, mit über 200.000 Besuchern. Vieh, Maschinen, Handwerk, Essen — und der Abschluss der Herbstmessen. Der Zug ab Palma ist an diesem Tag die einzige vernünftige Anreise.

Dezember

Festa de l'Estendard 31. Dezember

Palma

Erinnerung an die Eroberung von 1229 — eine der ältesten ununterbrochen begangenen Feiern Europas. Vormittags, ernst, offiziell, und für Besucher überraschend unspektakulär. Aber historisch bemerkenswert.

Stand: Juli 2026. Feste Daten verschieben sich nicht, bewegliche richten sich nach Ostern oder einer Wochentagsregel. Das genaue Programm veröffentlicht die jeweilige Gemeinde meist wenige Wochen vorher. Wenn Ihnen ein Fehler auffällt oder ein Fest fehlt, das hierher gehört, schreiben Sie mir.

Wie man sich verhält

Diese Feste sind zugänglich, aber sie sind kein Programm. Der Unterschied zeigt sich in Kleinigkeiten: Man stellt sich nicht in eine Prozession, um zu fotografieren. Man reiht sich ein, wenn eingereiht wird. Bei den Feuern von Sant Antoni bringt man etwas zum Grillen mit, statt sich an einen Stand zu stellen — es gibt keinen.

Und ein praktischer Hinweis, der ernster gemeint ist, als er klingt: Wo Dimonis mit Feuerwerk laufen, trägt man Baumwolle und eine Kopfbedeckung. Kunstfaser hat schon manchen Abend beendet.

Was das für die Reiseplanung heißt

Ein Fest verändert einen Ort für zwei Tage vollständig — im Guten wie im Lästigen. Unterkünfte sind belegt, Straßen gesperrt, Parkplätze weg, und geschlafen wird nicht. Wer wegen des Festes kommt, sollte früh buchen. Wer zufällig hineingerät und Ruhe sucht, sollte den Ort wechseln. Beides steht bei den betroffenen Orten im Atlas im Saisonkompass.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen zu den Festen

Welches ist das wichtigste Fest auf Mallorca?

Es gibt kein einzelnes. Für die Mallorquiner selbst ist Sant Antoni am 16. und 17. Januar das dichteste Fest, für Palma Sant Sebastià am 19. und 20. Januar, und die größte Veranstaltung überhaupt ist der Dijous Bo in Inca im November mit über 200.000 Besuchern. Auffällig ist, dass die stärksten Feste im Winter liegen — also außerhalb der Reisesaison.

Gibt es auf Mallorca auch im Winter etwas zu erleben?

Gerade dann. Zwischen Januar und Ostern liegen Sant Antoni, Sant Sebastià, der Carnaval und die Karwoche — vier der fünf eindrucksvollsten Termine des Jahres. Wer Mallorca abseits des Strandes kennenlernen will, reist im Januar besser als im Juli.

Sind mallorquinische Feste für Besucher zugänglich?

Fast alle finden auf offener Straße statt, und niemand wird weggeschickt. Zugänglich heißt aber nicht inszeniert: Diese Feste werden nicht für Besucher gemacht, sondern trotz ihnen weitergeführt. Wer sich einreiht, mitläuft und nicht durch die Prozession fotografiert, ist willkommen.

Wo finde ich die genauen Termine für ein bestimmtes Jahr?

Bei der jeweiligen Gemeinde. Die festen Daten — 16. Januar, 2. August, 31. Dezember — verschieben sich nie. Die beweglichen richten sich nach Ostern oder nach einer Wochentagsregel, und das genaue Programm veröffentlicht das Rathaus meist wenige Wochen vorher.

Was sind Dimonis?

Als Teufel verkleidete Gestalten mit Hörnern, Masken und Schellen, die bei Sant Antoni und bei mehreren Ortsfesten durch die Straßen ziehen — oft mit Feuerwerk am Körper. Sie stammen aus der Versuchungsgeschichte des heiligen Antonius. Wer nah dransteht, sollte Baumwolle tragen und nichts, was Funkenflug nicht verzeiht.

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