Sóller
Stadt · 54 m · 14.200 Einwohner
Orangenstadt in einem geschlossenen Talkessel, jahrhundertelang leichter per Schiff als über Land erreichbar. Daher der Reichtum, die französischen Fassaden und eine Schmalspurbahn von 1912, die bis heute fährt.
- Region
- Serra de Tramuntana
- Einwohner
- 14.200
- Höhe
- 54 m
- Flughafen
- 33 km , rund 40 Minuten
- Mietwagen
- empfohlen
- Lohnt für
- einen ganzen Aufenthalt
Saisonkompass — wann Sóller lohnt
Lohnt in Januar, Februar, März, April, Mai, September, Oktober, November und Dezember. Eher meiden in August.
Weil Sóller die einzige Stadt der Tramuntana ist, die eine Stadt ist und nicht ein für Besucher hergerichtetes Dorf. Es gibt eine Markthalle, eine Apotheke, Streit um Parkplätze und einen Platz, auf dem sich abends Leute treffen, die morgen wieder hier sind. Man merkt dem Ort an, dass er sein Geld nie mit Gästen verdient hat, sondern mit Obst, und dass er jahrhundertelang mehr nach Marseille geschaut hat als nach Palma. Der Zug ist trotz Preis und Andrang jede Fahrt wert — nicht wegen der Nostalgie, sondern weil man auf keiner anderen Strecke der Insel so gut sieht, was Menschen um 1910 einem Gebirge abgetrotzt haben.
Was Sóller ist
Die Hauptstadt des Orangentals, rund 14.000 Einwohner, 54 Meter über dem Meer in einem ringsum von Bergen geschlossenen Kessel der Serra de Tramuntana. Zur Gemeinde gehören der Hafen Port de Sóller, fünf Kilometer nordwestlich, und die Weiler Biniaraix und L’Horta.
Sóller ist keine Sehenswürdigkeit, sondern eine Kleinstadt mit Rathaus, Markthalle, Krankenhaus und Werktagen — die einzige der Tramuntana in dieser Größe.

Warum die Stadt reich wurde
Der Talkessel ist von Palma durch den Gebirgskamm getrennt. Bis der Straßentunnel 1997 eröffnete, führte nur die Passstraße über den Coll de Sóller hinüber, mit siebenundfünfzig Kehren — für Fracht praktisch unbrauchbar.
Also handelte Sóller über den Seeweg, vor allem mit Südfrankreich: Orangen und Zitronen hinaus, Geld herein. Im 19. Jahrhundert zogen ganze Familien nach Marseille, Nîmes oder Sète, gründeten dort Handelshäuser und schickten die Gewinne zurück. Wer es geschafft hatte, baute in Sóller ein Haus, das das zeigte — daher die breiten Fassaden mit Gesimsen und Schmiedeeisen, die man in keinem anderen Bergort der Insel so findet.
Die Sprache hat es aufbewahrt: Im Tal spricht man einen eigenen Dialekt, in dem französische Wörter hängengeblieben sind.

Was der Orangenreichtum gebaut hat
Am Hauptplatz steht die Pfarrkirche Sant Bartomeu. Der Bau selbst ist alt, die Schaufassade nicht: Sie entstand zwischen 1902 und 1912 nach Plänen von Joan Rubió i Bellver, einem Schüler und Mitarbeiter Antoni Gaudís. Von Rubió stammt auch die Front des Banc de Sóller gleich daneben — eine Bank, die die Obsthändler brauchten, weil ihr Geschäft grenzüberschreitend lief.
Ein paar Schritte bergauf steht Can Prunera, ein Jugendstilhaus von 1911, ebenfalls Rubió zugeschrieben. Seit dem 24. August 2009 ist es das Museu Modernista: Das Haus samt Möbeln, Böden und Treppenhaus ist erhalten, und darin hängen Arbeiten von Miró, Picasso, Gauguin, Klimt, Foujita und Miquel Barceló. Für ein Bergstädtchen von 14.000 Einwohnern ist das eine erstaunliche Sammlung.

Der Zug
Der Ferrocarril de Sóller fährt seit dem 16. April 1912 auf Meterspur zwischen Palma und Sóller. Finanziert haben ihn die Orangenhändler selbst, nicht der Staat — sie wollten ihre Ware in Stunden statt in Tagen am Hafen von Palma haben.
Die Zahlen erklären, warum die Fahrt sich lohnt: 27,3 Kilometer, 199 Meter Höhenunterschied, im Schnitt 23 Promille Steigung, dreizehn Tunnel. Der längste, der Tunnel Major unter dem Gebirgskamm, misst 2.876 Meter. Dazu ein Viadukt und die Wagen aus der Anfangszeit, Holz und Messing.
Heute ist er ein Touristenzug mit entsprechendem Preis. Er ist trotzdem die eindrucksvollste Art, in dieses Tal zu kommen.

Die Straßenbahn zum Hafen
Ein Jahr nach dem Zug kam die Straßenbahn: Die Strecke wurde am 4. Oktober 1913 eröffnet, der regelmäßige Betrieb begann am 13. Oktober. 4,9 Kilometer vom Bahnhof durch die Stadt, an Orangengärten vorbei, bis an die Hafenpromenade.
Sie fährt mitten über den Hauptplatz. Wer dort im Café sitzt, rückt den Stuhl ein Stück ein, wenn sie kommt.

Es Firó — die Piratenschlacht
Am 11. Mai 1561 landeten nach den Chroniken rund 1.600 algerische und türkische Korsaren im Hafen von Sóller. Sie wollten den Ort plündern und die Bewohner als Sklaven verschleppen. Die Sóllerics schlugen sie zurück.
Zwei Geschichten haben sich gehalten: die der Schwestern Francisca und Catalina Casesnoves, die die Angreifer in ihrem eigenen Haus töteten, und die der Frauen aus dem Viertel um Can Tamany, denen die Überlieferung den Ausschlag zuschreibt.
Am zweiten Maiwochenende stellt der ganze Ort die Schlacht nach — mit Booten im Hafen, Schwarzpulver, Kostümen und einer Menge, durch die kein Durchkommen ist. Es Firó ist kein Schauspiel für Gäste, sondern die Sache der Stadt; man merkt es daran, wie ernst die Beteiligten es nehmen.

Port de Sóller
Fünf Kilometer und eine Straßenbahnfahrt entfernt: eine fast geschlossene, runde Bucht mit Sandstrand, zwei Leuchttürmen und deutlich mehr Betrieb als in der Stadt. Von hier fährt im Sommer das Schiff nach Sa Calobra.
Praktisch
Der Straßentunnel ist seit dem 28. Dezember 2017 mautfrei; um die Ablösesumme wird bis heute prozessiert, an der freien Durchfahrt hat das nichts geändert. Wer Zeit hat, nimmt trotzdem einmal den Coll de Sóller — die alte Passstraße ist seither leer und eine der schönsten Strecken der Insel.
In der Altstadt gibt es kaum Parkplätze; das Parkhaus am Ortsrand ist die einfachere Lösung. Der Markt ist samstags.

Wann man kommt
Oktober ist der beste Monat: warm, leer, die Orangen werden gelb. Januar und Februar für die Ernte und die Mandelblüte — dann kostet ein Kilo Orangen auf dem Markt weniger als ein Kaffee.
Im August sind die Zugtickets ausverkauft, der Kessel staut die Hitze, und der Hafen ist voll.
Ansichten
Praktisch
- Parken
- Parkhaus am Ortsrand. Die Altstadt ist weitgehend gesperrt.
- Öffentlich
- Linie 204 ab Palma durch den Straßentunnel, rund eine halbe Stunde. Der Zug ab Palma Plaça d'Espanya braucht knapp eine Stunde und ist ein Erlebnis, kein Verkehrsmittel.
- Zeitbedarf
- Ein halber Tag für die Stadt, ein ganzer mit Port de Sóller und Fornalutx.
- Hinweis
- Der Straßentunnel ist seit dem 28. Dezember 2017 mautfrei. Die Straßenbahn zum Hafen fährt seit 1913 und ist die angenehmste Art, die knapp fünf Kilometer zurückzulegen.
- Bus
- Linie 204 ab Palma, dazu der Zug Palma–Sóller
- Zugänglichkeit
- Gepflasterte Straßen und Plätze, im alten Kern leicht ansteigend · Kinderwagen: Gut machbar · Rollstuhl: Hauptplatz und Hauptstraßen weitgehend befahrbar · Hunde: Unproblematisch
- Gibt es nicht
- Parkplätze in der Altstadt · Strand — der liegt fünf Kilometer weiter am Hafen · Ruhe im August · Günstige Zugtickets
- Koordinaten
- 39.7667,2.7167 Google Maps Apple Karten
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Wenn hier ein Rennen ist
Mallorca 312 Rennrad · Letzter Samstag im April
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Der Saisonkompass oben bewertet Monate, keine einzelnen Tage — ein Rennwochenende kann einen ruhigen Ort für zwei Tage in sein Gegenteil verkehren. Alle Termine im Kapitel Sportereignisse.
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