Fast alles, was auf Mallorca zu Fuß interessant ist, liegt in einem Gebirge, das
90 Kilometer lang und selten mehr als 15 breit ist. Und fast jeder Weg dort ist
älter als der Tourismus.
Die Serra de Tramuntana zieht sich vom Südwestzipfel bis nach Formentor,
bedeckt gut tausend Quadratkilometer und steigt im Puig Major auf
1.445 Meter. Seit dem 27. Juni 2011 ist sie UNESCO-Welterbe — nicht wegen der
Landschaft allein, sondern wegen dessen, was Menschen aus ihr gemacht haben:
Terrassen, Wege, Zisternen, Schneehäuser, alles in Trockenmauertechnik,
Stein auf Stein, ohne Mörtel.
Das erklärt, warum die Wanderwege hier anders aussehen als in den Alpen. Sie sind
gepflastert, weil sie Arbeitswege waren: Maultierpfade zu den Olivenhainen,
Köhlerwege in die Steineichenwälder, Wallfahrtswege nach Lluc. Wer den
Barranc de Biniaraix hinaufsteigt, geht über 1.932 gebaute Stufen.
Niemand hat sie für Wanderer angelegt.
Der GR 221
Offiziell heißt er Ruta de la Pedra en Sec, Trockenmauerroute. Der
Consell de Mallorca stellte ihn im Jahre 1996 vor und beschloss ihn
1999; der Sonderplan, der Verlauf und Nutzung festlegt, wurde am
17. Juni 2015 verabschiedet. Eine Erweiterung vom November 2022 legt
ihn auf 350 Kilometer an, von denen bislang rund 261 Kilometer
geöffnet und markiert sind.
Der Rest ist Verhandlungssache: Große Teile der Tramuntana sind Privatbesitz, und
einzelne Abschnitte sind seit Jahren nicht freigegeben. Wer eine Karte sieht, auf
der der Weg durchgehend eingezeichnet ist, sollte vor der Reise prüfen, was davon
tatsächlich offen ist.