Alcúdia
Stadt · 26 m · 20.500 Einwohner
Die besterhaltene mittelalterliche Stadtbefestigung Mallorcas, gebaut auf den Ruinen der römischen Inselhauptstadt Pollentia. Innerhalb der Mauern keine Autos, dafür Gassen aus honigfarbenem Sandstein — und zweimal in der Woche einer der größten Märkte der Insel.
- Region
- Llevant
- Einwohner
- 20.500
- Höhe
- 26 m
- Flughafen
- 55 km , rund 55 Minuten
- Mietwagen
- empfohlen
- Lohnt für
- einen Tagesausflug
Passt zu dir, wenn
- du dich für Geschichte interessierst und beides sehen willst — Römer und Mittelalter an einem Vormittag
- du zu Fuß unterwegs sein magst, denn die Altstadt ist autofrei
- du am Dienstag oder Sonntag da bist und auf Märkte stehst
- du im Norden wohnst und einen Ort suchst, der nicht nur aus Hotels besteht
- du früh aufstehst oder abends kommst
Passt nicht, wenn
- du zum Baden herkommst — der Strand liegt in Port d'Alcúdia, drei Kilometer weiter
- du Ruhe suchst und nur zwischen elf und siebzehn Uhr Zeit hast
- du schlecht zu Fuß bist, das Kopfsteinpflaster ist unnachgiebig
- du im Januar oder Februar kommst, dann ist ein Teil der Lokale zu
Saisonkompass — wann Alcúdia lohnt
Lohnt in Januar, Februar, März, April, Mai, Oktober, November und Dezember. Eher meiden in Juli und August.
Alcúdia ist der Ort, an dem ich gelernt habe, dass die Uhrzeit wichtiger ist als die Jahreszeit. Zwischen elf und siebzehn Uhr gehört die Altstadt im Sommer den Ausflugsbussen aus Port d'Alcúdia und Can Picafort — und dann ist sie eine Fußgängerzone mit Souvenirständen wie hundert andere auch. Kommen Sie um neun, und Sie haben dieselben Gassen fast für sich, mit dem Licht, das schräg über die Mauerkrone fällt. Oder kommen Sie am späten Nachmittag, wenn die riesigen Stadtmauern lange Schatten werfen. Das ist derselbe Ort und eine völlig andere Stadt. Ich war zuletzt im Mai 2025 dort, und die Rechnung ging wieder auf.
Wo die Stadt herkommt
Alcúdia geht aus Pollentia hervor, der Stadt, die die Römer im Jahre 123 vor Christus gründeten. Ihre Lage zwischen zwei großen Buchten war strategisch so günstig, dass Pollentia während der römischen Herrschaft zur wichtigsten Stadt Mallorcas aufstieg — bis sie im Jahre 426 nach Christus von den Vandalen erobert und ausgeschlachtet wurde. Die Überreste liegen bis heute vor den Toren der Altstadt und können besichtigt werden.
Dass die Region schon lange vorher besiedelt war, belegen archäologische Funde aus umliegenden Begräbnishöhlen, unter anderem der Cova de la Murada ganz in der Nähe der Stadtmauer.
Als die Mauren im Jahre 902 die Insel einnahmen, gehörte Pollentia bereits der Vergangenheit an. Auf und neben den Ruinen entstand das Landgut Alcúdia, was übersetzt so viel wie der Hügel bedeutet. Nachdem König Jaume II. den Ort 1298 zur Pfarrgemeinde erhoben hatte, legte man den Grundstein für die Kirche und für die Mauern, die bis 1362 entstanden. Eine richtige Stadt wurde Alcúdia aber erst im Jahre 1523 unter König Karl I. von Spanien, dem späteren Kaiser Karl V.

Zwei Mauerringe gegen die Piraten
Weil immer wieder Korsaren an dieser Küste landeten, wurde die bestehende Befestigung bis zum Jahre 1660 durch einen zweiten Mauerring verstärkt. Was heute steht, ist die besterhaltene mittelalterliche Stadtbefestigung Mallorcas — mit zwei erhaltenen Toren, der Porta del Moll und der Porta de Sant Sebastià.
Danach ging es bergab. Alcúdia verlor an wirtschaftlicher Bedeutung, Epidemien und die Pest dezimierten die Bevölkerung, und die Stadt zerfiel nach und nach. Selbst die Pfarrkirche Sant Jaume aus dem 14. Jahrhundert brach 1870 in sich zusammen und wurde erst zwölf Jahre später wieder aufgebaut.

Was man heute sieht
Wer durch eines der beiden Tore die Altstadt betritt, wird in eine andere Zeit versetzt. Viele kleine Gassen laden zum Bummel ein, und vor Autos braucht man sich nicht zu fürchten — die gibt es hier nicht. Das Einzige, was einem in die Quere kommen kann, sind Besucher, und davon gibt es in der Hauptsaison ausreichend viele.
Auf der Mauer kann man gehen. Ein Teil des Wehrgangs ist begehbar, und von oben sieht man über die Dächer hinweg bis zur Serra de Tramuntana. Dort oben versteht man auch, warum die Stadt so gebaut wurde, wie sie gebaut wurde.

Der Markt
Dienstag und Sonntag, jeweils von 8:30 bis 13:30 Uhr. Er gilt wegen seiner Atmosphäre und der Vielfalt der Waren als einer der bedeutendsten Märkte der Insel: regionales Obst und Gemüse, Sobrassada, Käse aus Menorca, Oliven, Backwaren, dazu Leder, Töpferwaren und Textilien.
Die Stände stehen teils in den Gassen, teils direkt an den Mauern der Römerstadt. Und genau hier gilt der Satz, der für ganz Alcúdia gilt: Seien Sie früh da oder kommen Sie in der Nebensaison. In der Haupturlaubszeit tummeln sich hier die Ausflügler aus Port d’Alcúdia und Port de Pollença — natürlich, wie immer, alle auf einmal.

Was man leicht übersieht
Am nordwestlichen Stadtrand steht die Plaça de Toros — die älteste Stierkampfarena der Insel, 1892 in die Bastion Sant Ferran der Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert hineingebaut. Zwei Corridas im Jahr fanden hier zuletzt statt, jahrelang begleitet von Protesten des Tierschutzes.
Seit 2021 ist damit Schluss: Die Konzession des Betreibers lief aus und wurde nicht verlängert; die Gemeinde will die Arena zu einem Veranstaltungsort umbauen. Von außen ist der Bau weiterhin zu sehen. Am Fuß des Puig de Sant Martí liegt die vorchristliche Kultstätte Cova de Sant Martí. Wem das alles zu viel Trubel ist, der geht in die Bibliothek Can Torró — das Haus der Bücher wurde von der deutschen Bertelsmann-Stiftung großzügig mit unterstützt.
Etwas außerhalb der Mauern, an der Carretera Cementiri, steht das Oratori de Santa Anna aus dem 13. Jahrhundert. Eine kleine gotische Kirche, der Heiligen Anna geweiht, und meistens hat man sie für sich allein.

Von hier aus
Alcúdia liegt günstig für alles, was der Norden zu bieten hat. Die Halbinsel Victòria mit der Ermita am Ende der Straße ist eine Viertelstunde entfernt und öffnet den Blick über beide Buchten. Der Naturpark s’Albufera, das größte Feuchtgebiet der Balearen, beginnt keine zehn Minuten südlich und ist im Frühjahr und Herbst die beste Adresse der Insel für Vogelbeobachter. Und Port d’Alcúdia mit seinem kilometerlangen flachen Sandstrand ist so nah, dass man beides an einem Tag machen kann.
Ansichten
Wie viel Zeit hast du?
Was man in Alcúdia tut
Drei Stunden
Durch die Porta del Moll in die Altstadt, einmal die Carrer Major hinunter bis zur Kirche Sant Jaume, dann hinauf auf den Wehrgang und die Mauer ein Stück ablaufen. Zurück über die Carrer d'en Serra. Das ist die Kurzfassung, und sie genügt für den ersten Eindruck.
Ein halber Tag
Zusätzlich die Ausgrabungen von Pollentia vor den Toren — Forum, Theater und Wohnviertel, rund eine Stunde. Danach Kaffee auf der Plaça de la Constitució und ein Abstecher zum Oratori de Santa Anna an der Straße zum Friedhof.
Ein ganzer Tag
Vormittags die Altstadt, mittags hinaus auf die Halbinsel Victòria — die Straße endet an der Ermita mit Blick über beide Buchten. Nachmittags entweder baden in Port d'Alcúdia oder zum Vogelbeobachten in den Naturpark s'Albufera, beides keine zehn Minuten mit dem Auto.
Bei Regen
Das Museu Monogràfic de Pollentia mit den Fundstücken der Römerstadt, die Pfarrkirche Sant Jaume und die Bibliothek Can Torró, die von der deutschen Bertelsmann-Stiftung mit aufgebaut wurde. Danach ein langes Mittagessen unter den Arkaden.
Feste im Jahreslauf
- Dienstag und Sonntag — Wochenmarkt von 8:30 bis 13:30 Uhr, ganzjährig — einer der größten Märkte der Insel.
- Karwoche — Semana Santa Prozessionen durch die Altstadt, am eindrucksvollsten am Gründonnerstag.
- 24. bis 26. Juli — Sant Jaume Patronatsfest der Stadt mit Konzerten, Feuerwerk und Correfoc.
Praktisch
- Parken
- Nicht in der Altstadt — sie ist autofrei. Parkplätze rund um die Mauern, am Markttag ab neun Uhr voll. Größter Platz an der Avinguda dels Prínceps d'Espanya.
- Öffentlich
- Linien 351 und 352 ab Port d'Alcúdia, mehrmals stündlich. Ab Palma die 302 über Inca.
- Zeitbedarf
- Drei Stunden für die Altstadt, ein halber Tag mit Pollentia, ein ganzer mit Halbinsel oder Naturpark.
- Hinweis
- Am Dienstag und Sonntag ist Markt. Wer die Stadt sehen will, kommt an einem anderen Tag — wer den Markt will, muss vor neun da sein.
- Bus
- Linie 351/352 ab Port d'Alcúdia, mehrmals stündlich. Von Palma die Linie 302 über Inca, rund 70 Minuten.
- Taxi
- ab Flughafen Palma rund 90 bis 110 Euro
- Versorgung
- Supermarkt: mehrere im Ort, größere außerhalb der Mauern · Apotheke: zwei in der Altstadt · Arzt: Gesundheitszentrum im Ort, Krankenhaus in Inca (28 km) · Geldautomat: mehrere an der Plaça de la Constitució · Tankstelle: an der Ausfallstraße Richtung Port d'Alcúdia
- Zugänglichkeit
- Kopfsteinpflaster und Natursteinplatten, leicht ansteigend · Kinderwagen: in den Hauptgassen machbar, auf dem Wehrgang nicht · Rollstuhl: Hauptachsen befahrbar, Mauerrundgang und Nebengassen nicht · Hunde: in der Altstadt kein Problem, im Naturpark s'Albufera nur angeleint
- Preisniveau
- Kaffee 1,80 bis 2,50 € · Mittagessen 16 bis 24 € · Parken 1,50 € je Stunde am Ortsrand · Eintritt Pollentia und Museum als Kombiticket, einstellig (Stand 2025)
- Gibt es nicht
- Strand · Nachtleben · Parkplätze innerhalb der Mauern
- Koordinaten
- 39.8536,3.1214 Google Maps Apple Karten
Termine, die alles verändern
Wenn hier ein Rennen ist
Mallorca 312 Rennrad · Letzter Samstag im April
Das ist der Tag mit den größten Verkehrseinschränkungen des Jahres. Ab dem Nachmittag werden Abschnitte gesperrt — unter anderem zwischen Esporles und der Platja de Muro, später über Alaró, Campanet und Santa Margalida. Erst gegen Abend ist alles wieder frei. Wer an diesem Samstag mit dem Auto quer über die Insel oder auf die Ma-10 will, sollte den Termin kennen. Unterkünfte im Norden sind Monate vorher ausgebucht.
Ironman 70.3 Alcúdia-Mallorca Triathlon · Mitte Mai
Der ganze Norden ist an diesem Wochenende belegt, und zwar bis nach Pollença hinauf. Am Renntag sind Küstenstraßen und die Promenade zeitweise gesperrt. Wer Ruhe sucht, fährt in dieser Woche woanders hin — wer Stimmung mag, findet sie kaum irgendwo dichter.
Der Saisonkompass oben bewertet Monate, keine einzelnen Tage — ein Rennwochenende kann einen ruhigen Ort für zwei Tage in sein Gegenteil verkehren. Alle Termine im Kapitel Sportereignisse.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen zu Alcúdia
Wann ist Markt in Alcúdia?
Dienstags und sonntags von 8:30 bis 13:30 Uhr, ganzjährig. Die Stände stehen in den Gassen der Altstadt und reichen bis an die Mauern der Römerstadt Pollentia. Es ist einer der größten Märkte Mallorcas. In der Hauptsaison sollte man vor neun Uhr dort sein, danach ist in den engen Gassen kaum ein Durchkommen.
Wie alt ist die Stadtmauer von Alcúdia?
Der innere Mauerring entstand zwischen 1298 und 1362 unter König Jaume II. und ist damit über 700 Jahre alt. Wegen der Piratenüberfälle kam bis 1660 ein zweiter Ring hinzu. Es ist die besterhaltene mittelalterliche Stadtbefestigung Mallorcas, und Teile davon kann man begehen.
Kann man in Alcúdia baden?
In der Altstadt nicht — sie liegt gut drei Kilometer vom Wasser entfernt auf einer Anhöhe. Der Strand gehört zu Port d'Alcúdia, wo sich die Bucht über Kilometer als flacher Sandstrand fortsetzt und in die Platja de Muro übergeht. Mit dem Bus sind es rund zehn Minuten.
Was ist Pollentia?
Die römische Stadt, aus der Alcúdia hervorging. Sie wurde 123 vor Christus gegründet und war während der römischen Herrschaft die wichtigste Stadt Mallorcas, bis sie 426 nach Christus von den Vandalen zerstört wurde. Die Ausgrabungen mit Forum, Theater und Wohnvierteln liegen unmittelbar vor der Altstadt und sind zusammen mit dem Museum zu besichtigen.
Wie lange braucht man für Alcúdia?
Drei Stunden reichen für Altstadt, Kirche und ein Stück Wehrgang. Ein halber Tag, wenn die Ausgrabungen von Pollentia dazukommen. Einen ganzen Tag füllt man mit der Halbinsel Victòria oder dem Naturpark s'Albufera in der Nachbarschaft.
Wie kommt man vom Flughafen Palma nach Alcúdia?
Mit dem Auto rund 55 Kilometer über die Ma-13, etwa 55 Minuten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln über Palma und Inca mit der Buslinie 302, rund 70 Minuten ab Palma. Ein Taxi kostet ungefähr 90 bis 110 Euro.
Ist Alcúdia dasselbe wie Port d'Alcúdia?
Nein. Alcúdia ist die historische Stadt hinter den Mauern, Port d'Alcúdia der Hafen- und Badeort drei Kilometer weiter an der Bucht. Beide gehören zur selben Gemeinde, sind aber vollkommen verschieden: hier Mittelalter und Geschichte, dort Strand, Hotels und Promenade.
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